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10 Dinge, bei denen ich als Unternehmer nicht spare

Sparsamkeit gilt als Unternehmertugend – bis sie zur teuersten Angewohnheit wird. Zehn Bereiche, in denen ich bewusst Geld ausgebe, mit konkreten Zahlen und dem, was zurückkommt.

FDT
FJ Design Team
Business Strategen
17. März 202613 Min.

Im Herbst 2021 saß ich in meinem Büro und starrte auf einen Bescheid vom Finanzamt: Nachzahlung 14.700 Euro, fällig in vier Wochen. Nicht, weil ich etwas Illegales getan hätte, sondern weil ich in meinem zweiten Jahr als Selbstständiger beschlossen hatte, die 180 Euro monatlich für einen Steuerberater zu sparen und meine Buchhaltung selbst zu machen. Ich hatte Vorauszahlungen falsch kalkuliert, eine Umsatzgrenze übersehen und Abschreibungsmöglichkeiten verschenkt, von deren Existenz ich nicht einmal wusste. Die gesparten 2.160 Euro Beraterhonorar kosteten mich am Ende, alles zusammengerechnet, über 9.000 Euro an vermeidbaren Steuern, Säumniszuschlägen und – das war das Schlimmste – zwei Wochen Arbeitszeit, in denen ich Belege sortierte, statt Kunden zu betreuen.

Dieser Bescheid war die teuerste und beste Lektion meiner Selbstständigkeit. Er hat mir beigebracht, dass es zwei Arten von Ausgaben gibt: Kosten und Investitionen. Kosten sollte man gnadenlos drücken – niemand braucht das schicke Büro in Bestlage im ersten Jahr, das Leasing-Auto der Oberklasse oder die zwölfte Software, die niemand im Team öffnet. Aber es gibt Bereiche, in denen jeder gesparte Euro mit Zins und Zinseszins zurückschlägt. In den Jahren seitdem habe ich eine Liste entwickelt, an die ich mich eisern halte. Zehn Bereiche, in denen ich grundsätzlich nicht spare, egal wie das Quartal läuft. Diese Liste teile ich hier – mit echten Zahlen, weil vage Ratschläge nichts wert sind.

Vorweg zur Einordnung: Ich führe eine Design- und Digitalagentur mit einem kleinen Team. Die Beträge, die ich nenne, sind meine tatsächlichen Größenordnungen. Bei dir mögen sie anders ausfallen, aber die Logik dahinter ist übertragbar, ob du Handwerksbetrieb, Beraterin oder Online-Shop bist.

Warum falsches Sparen die teuerste Angewohnheit im Unternehmertum ist

Bevor ich zur Liste komme, lohnt ein Blick darauf, warum gerade Gründer und Selbstständige so anfällig für falsches Sparen sind. Der Reflex ist verständlich: Am Anfang ist Geld knapp, jede Ausgabe fühlt sich existenziell an, und die Betriebswirtschaftslehre hämmert einem ein, dass Liquidität König ist. Das stimmt ja auch. Nur wird daraus bei vielen eine Kultur des Geizes, die sich verselbstständigt und auch dann noch regiert, wenn das Unternehmen längst stabil läuft.

Die Zahlen dazu sind ernüchternd. Ein erheblicher Teil der Unternehmensaufgaben in Deutschland – die Statistiken der Kreditanstalten und Kammern nennen je nach Erhebung Werte um die 20 bis 30 Prozent – geht nicht auf fehlende Aufträge zurück, sondern auf Managementfehler: falsche Kalkulation, Steuerprobleme, ungeprüfte Verträge, Ausfall des Inhabers. Das sind fast ausnahmslos Probleme, die man mit vergleichsweise kleinen, rechtzeitigen Investitionen in Expertise und Vorsorge hätte abfangen können. Ein Anwalt, der einen Vertrag vor der Unterschrift prüft, kostet 300 bis 600 Euro. Ein Rechtsstreit über denselben Vertrag kostet fünfstellig, plus Nerven, plus Monate.

Dazu kommt ein zweiter Mechanismus, der subtiler wirkt: die Opportunitätskosten der eigenen Zeit. Wenn mein kalkulatorischer Stundensatz bei 120 Euro liegt und ich sechs Stunden im Monat mit Aufgaben verbringe, die ein Profi für 60 Euro pro Stunde besser erledigt, verbrenne ich rechnerisch 360 Euro monatlich – und das ist noch die freundliche Rechnung, denn sie ignoriert, dass in diesen sechs Stunden kein Vertrieb, keine Produktentwicklung und keine Kundenpflege stattfindet. Falsches Sparen tarnt sich als Disziplin, ist aber in Wahrheit eine Wette darauf, dass die eigene Zeit nichts wert ist.

Und schließlich der dritte Punkt, über den in Unternehmerkreisen am wenigsten gesprochen wird: Der Unternehmer selbst ist das wichtigste Asset der Firma. In kleinen Unternehmen hängen 80 bis 100 Prozent der Wertschöpfung direkt oder indirekt am Kopf des Inhabers. Wer an Gesundheit, Schlaf und Erholung spart, spart am Produktionsmittel Nummer eins. Kein Geschäftsführer käme auf die Idee, die einzige Maschine der Fabrik nie zu warten. Bei sich selbst machen es fast alle.

Die zehn Bereiche, in denen ich nicht spare

Der erste Bereich ist, wenig überraschend nach meiner Eingangsgeschichte, der Steuerberater. Ich zahle heute rund 4.800 Euro im Jahr für Buchhaltung, Abschlüsse und – das ist der eigentliche Wert – zwei Strategiegespräche pro Jahr. In einem dieser Gespräche kam der Hinweis, die Rechtsform zu wechseln und Gewinne anders zu strukturieren; das spart mir seither jährlich einen mittleren vierstelligen Betrag. Ein guter Steuerberater kostet nicht, er verdient mit. Der Unterschied zwischen einem, der nur bucht, und einem, der gestaltet, ist dabei enorm – es lohnt sich, für Letzteren auch 30 Prozent mehr Honorar zu zahlen.

Der zweite Bereich ist Hardware. Mein Team und ich arbeiten täglich acht bis zehn Stunden an unseren Rechnern. Ein leistungsfähiges Gerät kostet 2.500 bis 3.500 Euro und hält drei bis vier Jahre – das sind, großzügig gerechnet, drei Euro pro Arbeitstag. Wenn ein zäher Rechner jeden Mitarbeiter nur 15 Minuten am Tag kostet, weil Exporte langsam laufen und Programme haken, sind das bei einem Team von vier Leuten über 250 verlorene Stunden im Jahr. Dazu kommen ordentliche Monitore, ein guter Stuhl für etwa 900 Euro und ein höhenverstellbarer Schreibtisch. Mein Physiotherapeut hat mir mal vorgerechnet, was zwei Bandscheibenbehandlungen kosten. Der Stuhl war billiger.

Drittens: Weiterbildung. Ich reserviere jedes Jahr etwa 5.000 Euro und bewusst auch Arbeitszeit für Kurse, Fachbücher, Konferenzen und gelegentlich ein gezieltes Coaching. Die beste Einzelinvestition der letzten Jahre war ein Verhandlungstraining für 1.900 Euro – die dort gelernte Preisverhandlungstechnik hat sich beim übernächsten Kundenprojekt amortisiert, als ich ein Angebot nicht um die geforderten 15 Prozent senkte, sondern den Leistungsumfang anpasste. Wissen veraltet in unserer Branche in zwei, drei Jahren; wer nicht lernt, verkauft bald Gestriges zu gestrigen Preisen.

Der vierte Bereich ist meine Gesundheit, und ich meine das unpathetisch und konkret: rund 80 Euro monatlich fürs Fitnessstudio samt Kursen, zweimal jährlich ein großer Gesundheits-Check, ordentliches Essen auch in stressigen Wochen statt Tankstellenbelegtes. Zusammen vielleicht 2.000 Euro im Jahr. Die Gegenrechnung ist brutal einfach: Als Inhaber habe ich keine Lohnfortzahlung. Vier Wochen Ausfall kosten mich real einen fünfstelligen Betrag an Umsatz, von den Projektverzögerungen ganz zu schweigen. Ich war 2019 nach einem ignorierten Infekt drei Wochen komplett raus – seitdem betrachte ich Sport nicht als Freizeit, sondern als Wartungsvertrag.

Fünftens: Software und Werkzeuge. Ich sehe regelmäßig Unternehmer, die mit geknackten Lizenzen, Gratis-Versionen und Excel-Krücken arbeiten, um 40 Euro im Monat zu sparen. Mein Software-Stack – Projektmanagement, Design-Tools, Buchhaltungssoftware, Passwort-Manager, ordentliches Backup – kostet etwa 480 Euro monatlich für das ganze Team. Das klingt viel, bis man versteht, was diese Werkzeuge ersetzen: Ein automatisierter Rechnungslauf spart mir allein vier Stunden im Monat, das Backup hat uns 2023 nach einem Festplattendefekt vermutlich das Geschäftsjahr gerettet. Bei Software frage ich nie, was sie kostet, sondern was sie mich pro Monat an Zeit spart oder an Risiko nimmt.

Der sechste Bereich ist das Outsourcing meiner Schwächen. Ich bin gut in Design, Strategie und Kundengesprächen. Ich bin miserabel in vorbereitender Buchhaltung, Fotobearbeitung in Serie und allem, was mit Behördenformularen zu tun hat. Diese Dinge gebe ich ab: eine Bürokraft auf Stundenbasis für 28 Euro die Stunde, ein Freelancer für Serienretusche. Die Rechnung von vorhin gilt hier voll: Jede Stunde, die ich für 28 Euro einkaufe, um sie für 120 Euro zu verkaufen, ist ein Geschäft mit über 300 Prozent Marge. Es hat drei Jahre gedauert, bis ich verstanden habe, dass Selbermachen kein Fleiß ist, sondern schlechte Kapitalallokation.

Siebtens, und das ist der Bereich mit dem größten Hebel pro ausgegebenem Euro: Anwalt und Verträge. Jeder Vertrag über 5.000 Euro Volumen, jede AGB-Änderung, jede Kooperationsvereinbarung geht vor der Unterschrift zu meiner Anwältin. Das kostet je nach Umfang 250 bis 800 Euro. Einmal hat sie in einem Agenturvertrag eine Klausel gefunden, nach der sämtliche Nutzungsrechte an unseren Vorarbeiten entschädigungslos an den Kunden gefallen wären – auch bei Nichtbeauftragung. Der Kunde wollte unsere Konzepte abgreifen. Diese eine Prüfung für 400 Euro hat Arbeit im Wert von rund 20.000 Euro geschützt.

Der achte Bereich sind die Gehälter meines Teams. Ich zahle bewusst über dem Branchenschnitt, etwa 10 bis 15 Prozent, dazu echte Flexibilität und Weiterbildungsbudget. Das ist keine Wohltätigkeit, sondern kalte Rechnung: Eine Neubesetzung kostet, wenn man Recruiting, Einarbeitung und Produktivitätsverlust ehrlich zusammenzählt, schnell 30.000 bis 50.000 Euro und sechs Monate Zeit. Meine durchschnittliche Betriebszugehörigkeit liegt bei über vier Jahren. Die vermeintlich gesparten Gehaltsprozente wären das teuerste Sparprogramm von allen. Dazu kommt, was schwer messbar, aber real ist: Gute Leute, die bleiben, tragen Kundenbeziehungen und Wissen, das in keinem Wiki steht.

Neuntens: Schlaf und Erholung. Das klingt nach Ratgeber-Kitsch, ist aber der Bereich, in dem ich am längsten gebraucht habe, um die Sparlogik abzulegen. Ich habe jahrelang mit sechs Stunden Schlaf und durchgearbeiteten Wochenenden geprahlt, bis ich merkte, dass meine schlechtesten Entscheidungen – ein überhastet angenommener Großkunde, der uns fast zerlegt hätte, zwei Fehleinstellungen – allesamt in Phasen chronischer Übermüdung fielen. Heute sind eine gute Matratze für 1.800 Euro, konsequent freie Sonntage und drei echte Urlaube im Jahr feste Posten. Erholung ist keine Belohnung für gute Arbeit, sie ist deren Voraussetzung. Meine Entscheidungsqualität ist das teuerste Gut der Firma, und sie hängt direkt am Schlaf.

Der zehnte Bereich schließlich: Netzwerk und Sichtbarkeit. Konferenztickets, Branchenevents, das gelegentliche Abendessen mit anderen Unternehmern, Mitgliedschaften – zusammen etwa 3.000 Euro im Jahr plus Reisekosten. Der Ertrag ist der am schwersten planbare, aber rückblickend der größte: Meine drei umsatzstärksten Kunden der letzten Jahre kamen alle über persönliche Empfehlungen aus diesem Netzwerk, keiner über Kaltakquise oder Werbung. Ein einziges Gespräch beim falschen Kaffee zur richtigen Zeit hat mir einmal einen Auftrag über 45.000 Euro eingebracht. Netzwerken lässt sich nicht abkürzen und nicht kaufen – nur kontinuierlich pflegen.

Wie du das praktisch umsetzt, ohne dich zu ruinieren

Jetzt der wichtige Teil, denn die Liste könnte den Eindruck erwecken, man müsse ab morgen 25.000 Euro im Jahr zusätzlich ausgeben. So funktioniert es nicht, und so habe ich es auch nicht gemacht. Der Umbau von Geiz zu gezielter Investition folgt bei mir einer klaren Reihenfolge.

Der erste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen Zeit. Führe zwei Wochen lang Buch, worauf deine Arbeitsstunden tatsächlich entfallen – halbstundengenau, ohne Schönfärberei. Bei den meisten kommen dabei fünf bis zehn Wochenstunden heraus, die mit Tätigkeiten gefüllt sind, die entweder wegfallen könnten oder die jemand anderes günstiger und besser erledigt. Diese Stunden sind dein Investitionsbudget: Sie zeigen dir, wo Outsourcing und Software zuerst ansetzen sollten.

Der zweite Schritt ist die Priorisierung nach Schadenspotenzial. Nicht alle zehn Bereiche sind gleich dringend. Die Reihenfolge, die ich empfehle: zuerst alles, was existenzbedrohende Risiken abdeckt – Steuerberater, Vertragsprüfung, Backup und Absicherung. Diese Posten kosten zusammen vielleicht 500 bis 700 Euro im Monat und nehmen die Risiken vom Tisch, die dich das ganze Unternehmen kosten können. Danach kommt alles, was direkt Zeit freisetzt: Outsourcing, Software, ordentliche Hardware. Erst zum Schluss die langfristigen Posten wie Weiterbildung, Netzwerk und die Team-Themen, die sich über Jahre auszahlen.

Der dritte Schritt ist eine feste Budgetregel, damit aus guten Vorsätzen System wird. Ich arbeite mit einer einfachen Quote: Rund acht Prozent des Umsatzes fließen in diese zehn Bereiche, aufgeteilt in einen fixen Sockel und einen variablen Teil, der mit guten Monaten wächst. Der Vorteil einer Quote: Sie beendet die Einzelfalldiskussion mit sich selbst. Ich muss nicht mehr bei jedem Kurs und jedem Werkzeug neu verhandeln, ob es sich lohnt – das Budget existiert, es will sinnvoll verwendet werden.

Der vierte Schritt ist die Erfolgskontrolle, denn Investieren ohne Messen ist nur teureres Raten. Zweimal im Jahr gehe ich die Liste durch und stelle jedem Posten drei Fragen: Was hat es gekostet, was hat es nachweislich gebracht oder verhindert, und würde ich es wieder kaufen? Software, die bei dieser Prüfung zweimal durchfällt, fliegt raus. Ein Coaching, das nichts verändert hat, wird nicht verlängert. Nicht sparen heißt nämlich ausdrücklich nicht, wahllos Geld auszugeben – es heißt, bewusst zu investieren und die Investitionen genauso streng zu prüfen wie jede andere Geschäftsentscheidung.

Und der fünfte Schritt, der unbequemste: Fang bei dem Bereich an, gegen den du dich am meisten sträubst. Bei mir war das die Erholung. Der innere Widerstand ist erstaunlich oft ein Hinweis darauf, wo der größte Engpass liegt.

Drei Beispiele aus meinem Umfeld

Wie unterschiedlich sich diese Logik auswirkt, zeigen drei Fälle aus meinem direkten Umfeld, alle mit echten Zahlen, Namen auf Wunsch geändert.

Thomas Berger, Inhaber eines Elektroinstallationsbetriebs mit sechs Mitarbeitern bei Regensburg, hat 2023 nach langem Zögern eine Handwerkersoftware für 340 Euro im Monat eingeführt und gleichzeitig eine Teilzeitkraft für die Büroorganisation eingestellt, 1.600 Euro monatlich. Vorher schrieb er Angebote abends am Küchentisch, Rechnungen gingen im Schnitt 26 Tage nach Projektende raus. Heute liegt die Rechnungsstellung bei drei Tagen, die Außenstände sanken um fast 60 Prozent, und Thomas kalkuliert Angebote in einem Drittel der Zeit. Sein Fazit nach 18 Monaten: etwa 23.000 Euro Jahreskosten für Software und Kraft, dagegen rund 15 gewonnene Wochenstunden und eine Liquidität, die ihm erstmals erlaubte, Material mit Skonto einzukaufen – allein das spart ihm vierstellig pro Jahr.

Der zweite Fall ist Julia Steinbach, Beraterin für Personalentwicklung aus Frankfurt. Sie hat 2024 insgesamt 6.500 Euro in Positionierungsberatung und ein Vertriebscoaching investiert – für eine Einzelunternehmerin viel Geld, fast ein Monatsumsatz. Das Ergebnis: Sie strich zwei Leistungen aus ihrem Portfolio, verdoppelte den Tagessatz für ihre Kernleistung von 1.200 auf 2.400 Euro und verlor dabei genau einen Bestandskunden. Ihr Jahresgewinn stieg im Folgejahr um rund 40 Prozent bei weniger Projekttagen. Ihr Kommentar dazu: Die Investition war nicht das Coaching, die Investition war die Erlaubnis, teurer zu sein.

Der dritte Fall ist die Gegengeschichte, und sie tut mir bis heute leid. Ein befreundeter Gründer eines kleinen Online-Shops sparte konsequent an allem aus dieser Liste: Buchhaltung selbst, Verträge ungeprüft, Lager-Software auf Excel-Basis, sieben Tage die Woche im Betrieb. Drei Jahre ging das gut. Dann kamen innerhalb eines Halbjahres eine Umsatzsteuer-Nachzahlung von 11.000 Euro wegen falsch behandelter EU-Lieferungen, ein Rechtsstreit mit einem Lieferanten über eine Klausel, die jeder Anwalt in fünf Minuten moniert hätte, und ein Bandscheibenvorfall. Der Shop wurde Ende 2025 verkauft – deutlich unter Wert, weil der Verkauf aus der Not heraus geschah. Die über drei Jahre ersparten Beraterkosten von vielleicht 15.000 Euro stehen gegen einen Schaden, der ein Vielfaches davon beträgt.

Die häufigsten Fehler bei diesem Thema

Der erste Fehler ist, die Liste als Einkaufsliste zu missverstehen. Wer sich morgen den teuersten Laptop, drei Coachings und fünf Software-Abos zulegt, hat nicht investiert, sondern konsumiert. Jede dieser Ausgaben braucht einen konkreten Engpass, den sie löst. Die Frage ist nie, ob etwas grundsätzlich sinnvoll ist, sondern ob es jetzt, in deiner Situation, den größten Hebel hat.

Der zweite Fehler ist das Alles-oder-nichts-Denken bei knapper Kasse. Gerade in den ersten ein, zwei Jahren ist das Geld wirklich eng, und dann heißt es schnell: Das kann ich mir alles nicht leisten. Aber zwischen Vollausbau und Nichts liegt viel Raum. Eine zweistündige Steuerberatung vor der Gründung kostet 300 Euro und verhindert die teuersten Anfängerfehler. Eine Vertragsprüfung nur für den einen großen Kunden. Gebrauchte Hardware der letzten Generation statt neuer Mittelklasse. Die Logik zählt, nicht die Summe.

Der dritte Fehler ist, Investitionen in sich selbst schlechter zu behandeln als Investitionen in Dinge. Derselbe Unternehmer, der ohne Zucken 40.000 Euro für einen Transporter freigibt, ringt drei Wochen mit sich, ob ein Kurs für 1.500 Euro nicht zu teuer ist. Der Transporter steht in der Bilanz, das Wissen nicht – aber das Wissen fährt jeden Auftrag mit.

Und der vierte Fehler: bei anderen zu sparen, um bei sich großzügig zu sein. Ich kenne Inhaber mit Premium-Ausstattung im Eckbüro, deren Team auf acht Jahre alten Rechnern arbeitet. Das ist nicht nur betriebswirtschaftlich falsch, es ist kulturell verheerend, denn das Team liest solche Signale fehlerfrei.

Fazit

Nach bald einem Jahrzehnt Selbstständigkeit ist meine Überzeugung einfach geworden: Sparsamkeit ist eine Unternehmertugend, aber nur, wenn sie an den richtigen Stellen ansetzt. Bei Statussymbolen, Bürodekoration und Nice-to-have-Abos darf man knausern, bis es quietscht. Bei Expertise, Werkzeugen, Gesundheit und Menschen ist Geiz keine Tugend, sondern eine Wette gegen das eigene Unternehmen – und die Quote dieser Wette ist miserabel.

Die 14.700 Euro Steuernachzahlung von damals habe ich übrigens abbezahlt und den Bescheid aufgehoben. Er hängt nicht gerahmt an der Wand, so pathetisch bin ich nicht, aber er liegt in der obersten Schublade, und ich weiß, warum. Er erinnert mich daran, dass die teuersten Ausgaben meiner Laufbahn keine Ausgaben waren, sondern Einsparungen. Wenn du aus diesem Text eine einzige Handlung mitnimmst, dann diese: Schreib heute Abend auf, welche der zehn Bereiche bei dir unterversorgt sind, wähle den einen mit dem größten Schadenspotenzial – und behebe ihn diesen Monat. Nicht irgendwann, wenn es besser läuft. Es läuft besser, weil du es behebst.

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